Damals in Spinalien

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Das erste Mal, das geht wohl den meisten so, gelangte ich zufällig nach Spinalien, durch ein Versehen.

Die Landschaft an der Spanisch-Italienischen-Grenze ist nicht leicht zu finden, aber wenn man einmal dort hinein gestolpert ist, wundert man sich, was es dort nicht alles zu sehen gibt. Wie David Brodie sagt: Überhaupt sind ja die imaginären Landschaften die reichhaltigsten und mannigfaltigsten.

Es ist eine alte Einsicht, dass man in fremden Ländern nur das sieht, was man erkennen kann. Der Heitere wird bei seiner Rückkehr berichten, Heiteres gesehen zu haben, der Trübsinnige Trauriges, der Gebildete Kultur, der Herdenmensch, das was man gesehen haben muss. Sehen Sie sich nur Ihre Urlaubsfotos an, oder vielleicht einfacher, die anderer Leute, dann wissen Sie, was ich meine. Im Grunde wäre das Reisen sinnlos, wenn es wirklich um Erfahrungen ginge.

Bei den imaginären Reisen verhält es sich ein wenig anders. Nur die Wenigsten machen sich überhaupt auf den Weg. Man kann damit nicht seinen Jahresurlaub vertun, man kann damit nicht bei den Kollegen angeben, es gibt praktisch keinen Grund dazu, außer das eigene Interesse. Das, was vielleicht schon immer einen kleinen, exquisiten Teil der Reisenden bewog, das Wagnis auf sich zu nehmen loszuziehen.

Die Bilder, die ich aus Spinalien mitgebracht habe, zeigen eine verzauberte Welt, in der sich in den ganz realen Dingen des Alltags die Träume zu fangen scheinen. Eine sehr weite Gegend ist dieses Spinalien, das sieht man schon an der kleinen Auswahl von Bildern. Man ahnt, dass sich hinter jedem einzelnen unendliche Wege verzweigen und man möchte sie gerne gehen. Denn es ist offenbar auch eine sehr entspannte und angenehm melancholische Gegend, dieses Spinalen. Da müsste ich doch gleich noch einmal hinfahren.

Ingrid Völlmeke

Autor: Ingrid Völlmeke

… Eins von Millionen: die täglichen Bilder einfangen, die vorüberziehen. Mehr unter Poly24. Lebt in Hamburg.