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Nach dem großen Erdbeben 1995 in Kobe, von dem auch ihre eigene Familie betroffen war, und wo sie, auf der Suche nach ihren Eltern, viele psychisch gestörte Menschen getroffen hat, startete die Künstlerin eine Photoserie mit Aufnahmen in und aus Irrenanstalten, wobei die Palette vom Jemen bis Österreich reicht. Die Atmosphäre ist deprimierend und scheint von unserer Welt so unendlich weit weg zu sein. Man vermeint, ein ganzes Zimmer zu erkennen, obwohl nur ein kleiner Ausschnitt mit einem Fenster zu sehen ist. Die unvermeidlichen Gitterstäbe, ramponierte Fenster, vielleicht ein Muster im Fußboden: winzige Elemente, die vor dem inneren Auge des Betrachters zu einem großen Bild zusammenfließen; und obwohl in den Serien der Irrenanstalten nie Menschen zu sehen sind, die Künstlerin nur mit diesen Menschen spricht und deren Sicht des Innen- wie auch des Außenraumes transportiert, beginnen die Photographien Geschichten zu erzählen.
Hiroko Inoues exzentrische Ästhetik liegt in der Tatsache begründet, dass durch das Photographieren der Räume die Realität von Menschen dargestellt und ethische Fragen aufgeworfen werden. Fragen übrigens, deren Beantwortung jedem einzelnen Betrachter überlassen wird. Eine ungewöhnliche Spurensicherung in fremden Welten - die Methode der Präsentation führt allerdings dazu, dass man gezwungen ist, sich mit den Fragestellungen und der Art der Thematisierung auseinanderzusetzen. Es sind diese eigenwillig leisen Bilder, die eine enorme Ruhe ausstrahlen, zugleich durch eine gewisse Distanziertheit Respekt vor der fremden Welt signalisieren und doch die Fähigkeit besitzen, all die laute Hektik unserer Welt einer fast illusorisch erscheinenden fremden Welt unterzuordnen, und die den Betrachter sogar zwingen, auch nach Antworten zu suchen.
EIKON, Ursula Philadelphy


Absence 01

Hiroko Inoue | 23.02.09 | Absence